Heiner war ein Haudegen. Einer, der alle Frauen Schatzi und alle Männer Alter Sack genannt hat. Wer nicht bis zum Pupillenstillstand Schnaps mit ihm getrunken hat, war ein Künstler. Die Sorte, die keinen Nagel gerade in die Wand hauen kann und sich für den Mittelpunkt der Welt hält. Die mochte er nicht, die Kunst-Künstler.
Wenn er mir seine warme stoppelige Wange ins Gesicht gedrückt, mich an sich gezogen und dabei irgendwas gesagt hat, in dem die Worte Schnaps und Alter vorkamen, dann war das eine besondere Art der Liebeserklärung. Eine, die besonders gut tat, weil sie vom Heiner kam. Heiner, der im Grunde immer der größte Romantiker von uns allen war. Auch, wenn er das nie zugegeben hätte. Romantiker war eine Art Schimpfwort für ihn. Aber eins, das von Herzen kam. Wie überhaupt alles, was er sagte und tat, von Herzen kam.
In seinem letzten Buch, das er mir im März geschickt hat, steht: Für Stefan, der viel zu selten ein Bier mit mir trinkt. Eine seiner schönsten Geschichten, in der steht, wie er mit seinen Kindern Moritz und Franziska im Wienerwald zu Mittag ißt, endet mit dem Satz: Und das ist der Grund, warum ich heute geweint habe. Es steht noch eine ganze Menge mehr in der Geschichte. Es ist eine von den Geschichten, die nie aufhören. Weil sie uns nicht loslassen. Selbst, wenn sie zuende gelesen sind.
|